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Der demografische Wandel zählt in den industrialisierten Ländern zu den größten aktuellsten Herausforderungen. Er führt zu einem Rückgang der erwerbstätigen Bevölkerung und zu einem Wettbewerb um jüngere Arbeitskräfte. Überraschend ist, wie wenig die Unternehmen – besonders in der Intralogistik - darauf vorbereitet sind. Auch die interne Studie der IWL AG zeigt, dass in der Logistik das Thema noch nicht im Bewusstsein der Unternehmen angekommen ist. Hier bewerten nur 50 % den demografischen Wandel als wichtiges Thema (IWL AG, 2015).

FalscheBelastungDie Intralogistik bietet aufgrund der hohen körperlichen Belastungen und niedrigen Löhne weniger attraktive Arbeitsplätze. Dies erschwert zusätzlich die Akquirierung junger Mitarbeiter. Damit sind insbesondere Logistikunternehmen auf ihre älteren Mitarbeiter angewiesen.

Diese Ausgangssituation macht die Diskussion in den Logistikunternehmen zum Thema altersgerechte Arbeitsplätze notwendig. Da in der Intralogistik jedoch kein System dem anderen gleicht, gibt es keine generelle Lösung für Unternehmen. 

Wir unterstützen Sie bei der Erarbeitung möglicher, auf Sie zugeschnittener Konzepte, bei der Einführung ergonomischer Arbeitsplätze und bei der Schulung Ihrer Mitarbeiter.
Neben unserer fachlichen Erfahrung führen wir Studien durch und leisten Forschungsarbeit, um Sie in dem Zukunftsthema „Ergonomie“ gut beraten zu können.

Ihr Benefit:

  • Deckung Mitarbeiterbedarf
  • Langfristige Sicherung der Arbeitskraft und Gesundheit der Mitarbeiter
  • Motivationssteigerung der Mitarbeiter
  • Reduzierung Krankheitstage
  • Steigerung Arbeitgeberattraktivität
  • Imagesteigerung

 

Altersgerechte Arbeitsplätze

Während die geistig-sozialen Fähigkeiten im Alter zunehmen, erfolgt eine Abnahme im Bereich der physischen Leistungsfähigkeit. Davon ist die Intralogistik, aufgrund ihrer stark körperlichen Tätigkeiten, besonders betroffen.

Die Arbeitssituation der Beschäftigten in der Intralogistik ist gekennzeichnet durch eine hohe, unvorhersehbare Grundbelastung mit unregelmäßigen Lastspitzen. Diese Anforderungen können zu einer Überlastung der Mitarbeiter führen, wenn Regenerationsmöglichkeiten fehlen. Hieraus resultiert ein unangemessener Verschleiß von physischen, psychischen, kognitiven und sozialen Leistungsvoraussetzungen der Beschäftigten.

Um alternde Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigen zu können, gewinnen belastungsreduzierende und -ausgleichende Maßnahmen an Bedeutung. Allerdings befinden sich die Belastungstools zur Bewertung der Arbeitsplätze in der Intralogistik noch in der Entwicklung. Somit gibt es auch  noch keine Studien, die die Wirksamkeit von Maßnahmen zur altersgerechten Arbeitsplatzgestaltung belegen können. Nur 8% der Unternehmen denken darüber nach in altersgerechte Arbeitsplätze zu investieren, um diese für ältere Mitarbeiter attraktiver zu machen. (Siehe Ergebnis der Intralogistik Studie der IWL AG)

Fachkraeftemangel

Mögliche Maßnahmen, um der demografischen Entwicklung entgegenzuwirken, zielen einerseits auf die Erhaltung der Arbeitskraft und der Gesundheit der Mitarbeiter aber auch auf die Reduzierung der Belastungen. Es sind Maßnahmen zu entwickeln, die das Arbeitsumfeld attraktiver gestalten und die Arbeitsmotivation anregen. Ansatzpunkte sind sowohl physische als auch psychische Maßnahmen.

Besonders Erkrankungen im Muskel-Skelett-Bereich machen einen besonders großen Anteil der Arbeitsunfähigkeit in der Intralogistik aus.

Präventionsmaßnahmen, welche die Belastungen auf das Muskel-Skelett-System reduzieren, können sich positiv auf die Anzahl der Krankheitstage auswirken.

An den Arbeitsplätzen in der Intralogistik – wie Ein-, Um- bzw. Auspacken – entstehen hohe Belastungen durch Drehbewegungen im Bereich des Rumpfes sowie durch das Heben von teils großen Lasten.

Bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen sollten allerdings nicht nur ergonomische Lösungen zur Reduzierung der Belastung im Vordergrund stehen, sondern auch über Arbeitsorganisations-maßnahmen eine Reduzierung der Gesamtbelastung erzielt werden.

Viele Projekte und Entwicklungen dieser Art sind aufgrund der hohen Wertschöpfung in den Kernbereichen Produktion und Montage angesiedelt und nicht in der Intralogistik.

Problem: kein Logistiksystem gleicht dem anderen wie bei der Produktionslogistik und in der Montage. Die unterschiedlichen Anforderungen fangen bei den Produkteigenschaften und der Produktvielfalt an und reichen über die unterschiedlichen Lagerstrategien und Fördertechniken bis zum B2B (Business-to-Business) oder B2C (Business-to-Customer) Konzept. Aus diesem Grund gibt es in der Logistik auch keine allgemein gültige Lösung zur altersgerechten Arbeitsgestaltung.

Mögliche Maßnahmen

Eine Belastungsreduzierung kann z.B. erreicht werden durch:

  • Vermeidung von Stoßbelastungen im innerbetrieblichen Transport durch spezielles Federungssystem der Flurförderzeuge
  • Vakuumhebegeräte
  • Spezielle Systeme, mit dem es möglich wird, Kisten oder Behälter anzuheben und gegebenenfalls bei Bedarf zu kippen
  • Höhenverstellbare Arbeitstische bzw. Einsatz von Hubtischen
  • Ergonomischer Arbeitsplatz unter Berücksichtigung des optimalen Greifraums
  • Einsatz von Robotern
  • Optimierung der Lagerorganisation in Person-zu-Ware-Lagern in Form von ABC Lagerstrategie und unter Berücksichtigung der Produkte mit einer hohen Umschlagshäufigkeit sowie einem höheren Gewicht
  • Anpassung der Regalsysteme in Bezug auf Vermeidung von starken Beuge- und Streckbewegungen
  • Förderung von Ausgleichssport am Arbeitsplatz oder in der Freizeit
Weiterhin wichtig ist die Sensibilisierung der Mitarbeiter: Neben der reinen Einführung muss die Bedeutung der einzelnen Konzepte vermittelt werden, um die Mitarbeiter für das Thema zu sensibilisieren und die Problematiken von Belastungen aufzuzeigen. Erfolgt dies nicht, so fehlt ebenfalls die Akzeptanz der Mitarbeiter für solche Maßnahmen und eine erfolgreiche Durchführung ist kaum möglich. Vielen Mitarbeitern ist der Nutzen bestimmter technischer Hilfsmittel zu umständlich und zeitaufwändig. Ebenfalls interpretieren einige den Nutzen als körperliche Schwäche.

Dies kann über die Kontrolle der Bewegungsausführung mittels Kamera, Anti-Schmerz-Anzug oder Schulungen erreicht werden.

Maßnahmen, die das Arbeitsumfeld betreffen, können sein:

  • Vermeidung von extremen Temperaturen
  • Licht; Automatische, individuelle Einstellung der Beleuchtung am Arbeitsplatz ( siehe „Industrie 4.0“)
  • Farbkonzept am Arbeitsplatz
  • Lärm (empfohlen bis max. 70 dbA)
  • Raum- und Platzgestaltung    

Arbeitsübergreifende Maßnahmen:

  • Arbeitswechsel durch Job Rotation als Belastungsausgleich
  • Arbeitszeitmodelle:
    • Reduzierung der Arbeitszeit im Alter (z.B. 4 Tage Woche oder 6 Stunden Tag durch „Vorarbeiten“) à Arbeitsteilzeit im Alter
    • Tariflich geregelte Altersfreizeit
    • Unternehmensinterne Regelungen
  • Maßnahmen zur Motivationssteigerung:
    • Entgeltliche Anreize – wie Prämien - sind unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll, beispielsweise, wenn diese für die Nutzung von ergonomischen Maßnahmen (Gesundheitsprogramm etc.) ausgeschüttet werden.
    • Gamification: verbunden mit Spaß – die Lernbereitschaft und das Engagement zu erhöhen. Durch den Einbezug von Gamification können verschiedene Methoden, welche Belastungen reduzieren als auch einen Belastungsausgleich schaffen, spielerisch in den Arbeitstag integriert werden.

 

Ihr Benefit – eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung

Die Einführung verschiedener Maßnahmen für altersgerechte Arbeitsplätze kann materiellen als auch immateriellen Nutzen bringen. Materieller Nutzen wird durch die Steigerung der Produktivität, geringere Mitarbeiterfluktuation und/oder Reduzierung von Krankheitstagen erreicht. Als immaterieller Nutzen zählen Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und/oder die Arbeitssicherheit sowie des Images des Unternehmens, was für die Mitarbeitergewinnung von Nutzen sein kann. Auf der anderen Seite stehen hohe Erstinvestitionskosten.

MateriellerNutzen

Materieller
Nutzen

Zufriedenheit

Immatrieller
Nutzen

 

vs.

Kosten

Erst-
invest



Besonders problematisch ist die Durchführung einer detaillierten wirtschaftlichen Betrachtung. Es existieren noch keine Langzeitstudien, um übergreifend aufzuzeigen, welche Auswirkungen auf die Krankheitstage und somit auf die direkten Kosten im Unternehmen bestehen.

Um die Bedeutung einzelner Maßnahmen für einen Kosten-Nutzen-Vergleich darzulegen, werden Belastungsprofile vor und nach einer möglichen Einführung erstellt. Somit kann zumindest aufgezeigt werden, welche Belastungsreduzierung erreicht werden kann.

Im Bereich der Produktion und Montage werden bereits verschiedene Belastungsberechnungstools wie die Leitmerkmalmethode angewendet, um die Belastungen speziell an den einzelnen Arbeitsplätzen und im Umfeld zu erfassen.

Die IWL AG beteiligt sich an einem Forschungsprojekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung das dieses Thema für die Arbeitsplätze in der Intralogistik betrachten will. Das Projekt PREVILOG verbindet erstmals die klassischen Ziele der Intralogistik (Zeit, Kosten, Qualität, Flexibilität) mit einer mensch- und wettbewerbsorientierten Perspektive. Ziel ist es, durch präventive Gestaltungsmaßnahmen eine „Win-Win-Situation“ in Bezug auf Wirtschaftlichkeit, Wettbewerbsfähigkeit, Gesundheitsförderlichkeit und Attraktivität zu erreichen. Dazu werden neue Analyse-, Planungs-, Bewertungs- und Gestaltungsmethoden entwickelt, in Pilotbetrieben umgesetzt und evaluiert. Die Erkenntnisse fließen in ein neues Planungsvorgehen zur präventiven Gestaltung von Arbeitssystemen in der Intralogistik ein.

Auch der Gesetzgeber hat Interesse daran, die Bevölkerung länger in der Erwerbstätigkeit zu halten, um die Sozialleistungen und die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung zu begrenzen. Daraus lässt sich ableiten, dass gesetzliche Maßnahmen zur altersgerechten Arbeitsgestaltung in Zukunft vermehrt diskutiert und initiiert werden. Gesetzliche Maßnahmen wie die Begrenzung der Hebelast pro Arbeitstag werden bereits in Schweden diskutiert. Mit den Maßnahmen zur altersgerechten Gestaltung von Arbeitsplätzen ist in der Regel auch eine präventive Belastungsreduzierung verbunden, die allen Mitarbeitern zu Gute kommt. Um den explodierenden Gesundheitskosten zu begegnen, kann deshalb auch ein Interesse der Krankenkassen unterstellt werden.

Neben den rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten können durch die altersgerechte Arbeitsgestaltung Wettbewerbsvorteile und Differenzierungsmerkmale erzielt werden. Betrachtet man in diesem Zusammenhang die Veränderung der Ansprüche und Erwartungen von jungen Menschen an Unternehmen, können körperlich fordernde Arbeitsplätze durch belastungsreduzierende Maßnahmen an Attraktivität gewinnen.